Dänemark kein hundefreundliches Land seit 2010 – ein Vergleich zu den Niederlanden

In Dänemark passiert ähnliches, wie es bis zum Jahr 2010 in den Niederlanden passiert ist. Verschiedene Hunderassen sind „zum Abschuss“ freigegeben. In den Niederlanden waren es die als gefährlich eingestuften Hunderassen, die einem ganz bestimmten Äußeren ähnelten, pitbullartig wie es hieß. In Dänemark sind es 13 namentlich festgelegte Rassen.
In der Bestimmung, ob es ein so genannter gefährlicher Hund ist, unterscheiden sich Niederlande und Dänemark grundsätzlich. In den Niederlanden waren ganz bestimmte Körpermerkmale, die die „Pitbullartigkeit“ bestimmten, also Form des Kopfes, Form des Körpers, Größe und anderes mehr. In Dänemark sind es festgelegt die Hunderassen Pitbull Terrier; Tosa Inu; American Staffordshire Terrier; Fila Brasileiro, Dogo Argentino; American Bulldog; Boerboel; Kangal; Central Asian Ovtcharka; Caucasian Ovtcharka
South Russian Ovcharka; Tornjak; Sarplaninac und ihre Mischungen.
Ein weiterer Unterschied, und der ist wichtig, in den Niederlanden konnten die Hunde dann von einem Gutachter begutachtet werden, ob sie „pitbullartig“ wären oder eben nicht. In Dänemark gibt es eine rechtlich wirksame derartige Begutachtung nicht, denn die Polizei bestimmt, ob der entsprechende Hund zu dieser oder jener Rasse gehört.
In beiden Ländern war es völlig egal, ob der Hund jemals auffällig war oder nicht, heißt, ob er wen auch immer gebissen hat. Das aktuelle dänische Gesetz ist seit dem Juli 2010 in Kraft und wird auch bei Hunden angewendet, die nach diesem Zeitpunkt geboren wurden. Was bedeutet, dass zum Beispiel auch Welpen euthanasiert werden. In beiden Ländern gelten diese Regelungen auch für Touristen, mit den dänischen Unterschied, dass der Tourist mit einem der 13 Hunderassen durchreisen darf, den Hund mal kurz Pipi machen lassen darf, aber sich nicht im Land aufhalten darf, sonst wird er beschlagnahmt. Seit dem Jahr 2010 wurden grob geschätzt in Dänemark über 1400 Hunde wegen dieses Hundegesetzes getötet.
Beide Gesetze sind nicht nur eines humanistischen, demokratischen Staates unwürdig, nein, sie stehen auch wissenschaftlich gesehen auf tönernen Füßen. Denn wer kann mit Bestimmtheit sagen, der Hund gehört dieser oder jener Rasse an. So kann doch keiner einen Boerboel mit absoluter Sicherheit von einem Molosser, bzw. Mastiff Typ, unterscheiden. Und wenn man in der Geschichte lange Zeit zurück geht, so sind alle Hunderassen irgendwie miteinander mal gekreuzt worden.
Bei beiden Gesetzen steht aber etwas ganz anders dahinter. Man will diese Hunderassen, in diesem Land zumindest, ausmerzen. Denn anders sind diese Gesetze, bei denen Fachleute die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, nicht erklärbar. Genauso wenig wie die Tatsache, dass zum Beispiel in Dänemark einige Herdenschutzhunde auf dieser 13er Liste stehen. Die als gefährlich zu bezeichnen ist in Europa einmalig. Das heißt nicht, dass sie, wie jeder andere Hund auch, bei falscher Haltung und bei den falschen Menschen, nicht gefährlich sein können.
Und wenn man diese Ausrottung bestimmter Hunderassen einmal durchdenkt, dann bekommt der Satz von Isaak Singer, jüdischer Literaturnobelpreisträger, dass für die Tiere jeden Tag Treblinka ist, eine furchtbare Bedeutung. Dass heißt, dass diese Art der Gesetzgebung faschizoid ist. Und ohne Übertreibung kann dann gesagt werden, dass man den Massenmord an Menschen der Nazis durchaus vergleichen kann mit dem Massenmord an Tieren, die nicht getötet werden, um uns vor dem Hungertod zu bewahren, sondern die industrialisiert getötet werden. Und aus politischem Kalkül, aus Lust am Töten, aus reiner Geldgier, aus Ehrfurchtslosigkeit vor einem Lebewesen. Die Grenzen des Tötens sind niederschwelliger geworden. Ich will hier sicher nichts relativieren, aber auch Tiere haben Schmerzempfinden und Gefühle, sie sind Lebewesen. Und die einzige Bestie auf der Erde ist der Mensch, eine Binsenweisheit.
Es gibt drei Tierarten für den angeblich zivilisierten Mensch, nämlich erstens Wildtiere – kann man töten, macht sich ja gut ein Foto mit einem toten Elefanten; zweitens Nutztiere – die sind ja für die Tötungsindustrie da, nicht nur Hühner und Schweine, auch z.B. auch Nerze und dann drittens die Haustiere, die, wenn es der Machterhaltung und dem politischen Klima zu Gute kommt, auch getötet werden können. Letztere unter den abstrusesten Begründungen, wie Sicherheit der Bevölkerung.
Bei näherer Betrachtung dieser Gesamtproblematik bin ich mir vorgekommen wie in einem schrecklichen Science Fiction.
Was ist dagegen zu tun? Hier ist bürgerliches Engagement gefragt, wir – die Bürger – müssen aufstehen und uns dagegen wehren. Gegen die Tötung von Wildtieren und gegen das industrialisierte Töten ist der Widerstand in den letzten Jahren stetig gestiegen, noch nicht mit durchschlagendem Erfolg, aber die Tierschützer haben sich Gehör verschafft. Was unsere Haustiere betrifft, so muss diese Lautstärke noch erreicht werden. Ich denke, es ist 10 vor 12. Der Widerstand auf jeglicher Ebene ist gefragt und muss jetzt erfolgen, nicht erst, wenn zum Beispiel diese oder jene Hunderassen ausgerottet wurden. Denn dann ist es zu spät.

Kontakt: Peter Löwisch, Eintrachtstr. 72-78, 50668 Köln

0
Ihre Bewertung: Nichts